Foto: Anouk - Bildquelle: Constanze Böhle

Constance Böhle ist ausgebildete Tierheilpraktikerin und lebt in Hamburg.
www.katzeaufdercouch.de

Name der Katze: Anouk
Geburtsjahr: 2004
Rasse: Somali

Wie kam es dazu, dass Du mit Deiner Katze auf Reisen gegangen bist? Hast Du die Entscheidung gemeinsam mit Katze auf Reisen zu gehen im Vorfeld bewusst getroffen oder hat es sich einfach so ergeben? Hast Du Deine Katze bereits als “Reisekatze” ausgesucht, als sie bei Dir eingezogen ist?

Ich habe bewusst eine Zuchtkatze genommen, um sicher zu gehen, dass sie gut sozialisiert ist. Außerdem wollte ich ein Kitten, das ich von Anfang an nach meinen Vorstellungen (vielfältig) prägen kann. Dazu gehörte natürlich auch, dass Autofahren nicht immer nur Tierarzt bedeutet und dementsprechend auch nicht so Angst einflößend ist.
Als sie (und ihre Partnerkatze) klein war (en), hatte ich gerade einen Freund in Bochum. Den habe ich dann hin und wieder von Hamburg aus mit den Katzen zusammen besucht. So hat Anouk gleich zu Beginn gelernt, dass Autofahren auch ein anderes Ziel als den blöden Tierarzt haben kann und stand den Fahrten dementsprechend positiv aufgeschlossen gegenüber. Als ich dann für 3 Wochen auf eine Nordseeinsel zum Urlaubmachen fahren wollte, war für mich entsprechend klar, dass die Belastung durch die Fahrt DEUTLICH geringer sein würde als eine Belastung, wenn sie 3 Wochen von mir getrennt sein würden. Also nahm ich sie ganz einfach mit.

Wie hast Du Dich selbst auf die erste Reise vorbereitet?

Ich habe überlegt, welche Verkehrsmittel wir benutzen und wie lang das jeweils ist. Die längste Fahrt war mit dem Auto. Das kannten beide Katzen – also kein Problem. Dann folgte eine Überfahrt auf einer Fähre. Da dachte ich, wenn ich an Deck bleibe, passiert da ja eigentlich nicht viel. Fanden die Katzen aber nicht so toll. Ich glaube, das lag auch daran, dass da kreischende Kinder auf dem Deck hin und her rannten. Auf dem Rückweg habe ich sie deshalb doch ein wenig zediert. Der dritte Teil, auf der Insel, fand mit einer Bummelbahn statt, die vom Hafen in das Dorf fährt. Dieser Teil hatte mir wegen der Ruckelei und Geräuschkulisse noch am meisten Sorgen gemacht, aber das hat sie gar nicht beeindruckt. Da man ja allerhand braucht, wenn man mit Katzen reist, habe ich viel in mein Hotel bestellt (ich hatte natürlich vorher angefragt, ob die das so lange für mich aufbewahren könnten bis ich anreise. War kein Problem). Eine gut tragbare Kratztonne mit entsprechend passender Tasche hatte ich sowieso. Die kam also mit. Näpfe und Unterlagen auch. Katzenklo, Streu und Futter für die gesamte Zeit sowieso ein Katzengras-Set habe ich vorher bei Zooplus bestellt und direkt im Hotel anliefern lassen. Das Klo habe ich nachher weggeworfen, die anderen Materialien während der Zeit aufgebraucht.

Wie hast Du Deine Katze auf die erste Reise vorbereitet? Hast Du irgendetwas mit ihm trainiert oder geübt? Du bist ja als Katzentherapeutin vom Fach…

Die erste Fahrt fand einfach statt. Wenn die Katzen noch nicht geprägt sind, sind sie erst einmal offen gegenüber neuem und wenn man nicht all zu viel falsch macht, erleben sie die Fahrt auch als etwas, womit sie weiterhin leben können.  Wichtig ist, NICHT zu antworten, wenn die Katze jault! Es ist ein menschlicher Reflex, ja. Aber es wäre ein Fehler. Antwortet man, dreht die Katze immer mehr auf. Antwortet man hingegen nicht, beruhigt sie sich recht bald von allein und die Nerven aller Beteiligten werden deutlich weniger strapaziert. Ich fahre auch beruflich immer wieder Katzen durch die Gegend und selbst die angeblich schlimmsten Schreihälse sind bei mir still – weil ich cool bleibe und nicht antworte. Die innere Haltung des Menschen hat natürlich auch einen Einfluss darauf, ob sich die Katze aufregt oder nicht. Zusätzliche Tricks: Während der Fahrt kann man mäßig laut Musik anmachen. Die meisten Katzen stehen auf Klassik, vor allem auf Mozart. Aber es gibt Ausnahmen. Einen Fahrgast hatte ich mal, der hat sich erst wohlgefühlt als Elvis aus dem Radio kam. Wir sind öfter gefahren, also konnte ich einiges ausprobieren und bei Elvis sind wir dann geblieben. Er stand auf Rock n Roll! 😉 Meine eigenen Katzen mochten gern männliche Stimmen von Hörbüchern. Wenn das im Radio lief, entspannten sie sich sofort. Rauchen im Auto ist blöd, wenn Katzen an Bord sind. Zum Einen ist es noch gesundheitsgefährdender, weil Katzen schneller atmen und den auf ihrem Fell abgesetzten Qualm später mit der Zunge aufnehmen… Aber manche bekommen durch den Geruch auch Angst. Geöffnete Fenster können zu Irritationen durch das rauschende Geräusch (Besonders bei hoher Geschwindigkeit) führen. Das mögen viele Katzen auch nicht. Vermutlich, weil es ein bisschen wie ein gigantisches Fauchen klingt.

Wie alt war Deine Katze, als sie zum ersten Mal mit Dir unterwegs war und wie war ihre Reaktion?

Ich kann mich nicht mehr genau erinnern. Sie muss unter einem Jahr alt gewesen sein. Vielleicht hat sie zu Beginn ein bisschen miaut. Das kann schon sein. Aber ich habe ihr sicherlich nicht geantwortet und dann wurde sie ziemlich schnell ziemlich cool.

Welche Sicherheitsvorkehrungen triffst Du während der Reise?

Ungeübte Katzen (v.a. auf langen Strecken) sollten im fest verschlossenen, stabilen Kennel im Fußraum hinter dem Beifahrersitz transportiert werden. Das ist im Fall eines Unfalles der sicherste Aufbewahrungsort. Auf kurzen, innerstädtischen Strecken bin ich später mit meiner an ein Brustgeschirr mit Leine gewöhnten Katze Anouk auch angeschnallt auf dem Beifahrersitz gefahren. Das gefiel ihr am besten, wäre aber für eine Autobahnfahrt auch nicht sicher genug gewesen. Generell sollte keine Katze sich während der Fahrt frei im Auto bewegen können. Die Gefahr, dass sie bei einem Schreck den Fahrer irritiert oder unter die Pedale gerät, ist einfach zu groß. Niemals würde ich eine Katzeauf der Hutablage liegend reisen lassen. Es mag sein, dass sie das total toll findet, aber der Mensch sollte weiter vorausschauen. Eine schärfere Bremsung und die Katze fliegt wie eine Kanonenkugel durch das Auto und schimmstenfalls durch die Frontscheibe… NIEMALS!

Welche Sicherheitsvorkehrungen triffst Du vor Ort?

Ich lasse meine Katzen generell nicht aus dem Urlaubsdomizil – weder in Freigang, den sie von Zuhause eh nicht kennen, noch auf ungesicherte Balkone o.ä. Bei der Hotelbuchung habe ich geklärt, dass dort keine Zimmermädchen ein- und ausgehen, denen die Katze versehentlich entwischen könnten. Es war eine Art Ferienwohnung, die während meiner Zeit dort nicht von Personal betreten wurde.

Ist Deine Katze den ganzen Urlaub bei Dir dabei oder lässt Du sie am Unterkunftsort, zum Beispiel bei Ausflügen und Erledigungen, allein zurück?

Wenn ich ankomme, muss ich die ersten 24 Stunden mit der Katze in der Ferienwohnung bleiben. Diese Zeit braucht sie, um zu begreifen, dass sie da jetzt nicht zurückgelassen wird. Sie hat bis dahin den Raum ja noch nicht mit ihren Gerüchen versehen. Meine Gerüche fehlen auch. Es ist einfach nur fremd. Bis sie auftaut und “angekommen” ist, bleibe ich also bei ihr. Danach kann ich es genauso wie zu Hause handhaben – tagsüber kann ich aus dem Haus gehen, wenn ich mich ansonsten so wie immer um sie kümmere.

Ist Deine Katze Zuhause wie auch im Urlaub Freigänger?

Nein.

In wie fern unterschiedet sich ihr Verhalten Zuhause und im Urlaub? Ist sie im Urlaub zum Beispiel aktiver oder eher zurückhaltender als Zuhause?

Sie ist nach kurzer Eingewöhnung im Urlaub genauso wie Zuhause. Nur halt an einem anderen Ort.

Welche Katzenutensilien hast Du immer im Urlaub dabei?

Mobile Kratztonne. Transportkorb. Etwas Spielzeug. Den Rest kann man wie zuvor erwähnt vor Ort anliefern lassen und aufbrauchen.

Hast Du keine Angst, dass sie Dir unterwegs verloren geht?

Wenn ich sie während der Fahrt nicht ungesichert lasse und wie oben beschrieben im Hotel sicher “aufbewahre”, kann eigentlich nichts schief gehen.

Wie gehst Du mit möglichen Gefahren für Deine Katze um (Autos, Kletteraktionen auf Bäume, Hunde, andere Tier)?

Das ist im Urlaub nicht relevant, weil sie darauf ja gar nicht trifft. Aber ich bin mit Anouk ja auch an der Leine spazieren gegangen – auf der Straße, im Park, an der Alster usw. Da ich sie an der Leine hatte, musste ich mir um Autos o.ä. keine Sorgen machen. Und wenn wir mal einen Hund getroffen haben, habe ich sie meist hochgehoben – nicht so sehr aus Sorge um sie, sondern viel mehr aus Sorge um den Hund, denn bei Hund-Katze-Begegnungen hat allgemein Dank der scharfen Krallen der Tiger meist eher der Hund das Nachsehen…

Woran machst Du fest, dass sie Spaß bei der Reise hat?

Das ist ein bisschen auch eine Typfrage. Meine andere Katze nimmt es so hin. Deshalb habe ich sie auch nur zu längeren Fahrten in den Urlaub mitgenommen. Vor Ort benahm sie sich dann ganz normal. Von “Spaß bei der Reise” würde ich da nicht sprechen.
Bei meiner Anouk war das etwas anderes. Sie war regelrecht verrückt nach unseren gemeinsamen Fahrten. Wie ein Hund wartete sie, sobald ich meine Jacke anzog, auf einer Truhe neben der Tür sitzend, teilweise mich anmiauend, damit ich sie mitnehme. Warum ich weiß, dass das bedeutet, dass sie mit wollte? Ganz einfach, auf dieser Truhe saß sie sonst nie. Ich habe ihr zusammen mit dem Geschirr antrainiert, dass sie auf dieser Truhe Platz nehmen muss, damit ich das Geschirr ummachen kann und wir los können. Und wenn sie darum bittet, gehe ich mal davon aus, dass es ihr auch gefallen hat. Allerdings denke ich, dass das bei ihr zweierlei Gründe hatte: Erstens hatte sie immer Lust, etwas Neues kennenzulernen. Sie erkundete auch fremde Wohnungen im Nu, ohne Scheu oder Zurückhaltung, die andere Katzen da oft an den Tag legen. Und zweitens war sie sehr eng mit mir verbunden. Ich denke mir, ihr war nur eins wichtig: Bei mir zu sein. Dann waren Ort und Umstände relativ unwichtig…

Welche Tipps kannst Du anderen Katzenhaltern geben, die mit ihrer Katze auf Reise gehen wollen?

Früh anfangen, alles gut planen und vorbereiten und ganz wichtig: Ruhe ausstrahlen!

Würdest Du als Katzentherapeutin sagen, dass jede Katze als Reisekatze geeignet ist und dass es egal ist, in welchem Alter man mit dem Reisen anfängt?

Nein, das denke ich nicht. Wie oben bereits erwähnt, sollte man früh anfangen, wenn es geht und beachten, wie es dem Tier dabei geht. Es gibt Katzen, die bleiben lieber zu Hause auf dem Sofa als waghalsige Abenteuerreisen zu überstehen. Aber das ist eine Typfrage – und die wiederum ist nicht wirklich altersabhängig. Wobei Prägung in den ersten Jahren natürlich schon eine Rolle spielt.