Katzengras - ja oder nein?

Pünktlich zum Fellwechsel ist es wieder so weit. Mieze spuckt und natürlich trifft es wie immer zuerst den hellen Wohnzimmerteppich. Und nicht genug, dass sie Fell spuckt. Nein, leuchtend grünes Katzengras ist auch noch dabei um dem Fleck auf dem Teppich die richtige Leuchtkraft zu verleihen.

Und das, nachdem sie sich wie von einem Alien befallen entleert hat. Zur Krönung liegt mittendrin ein „Fell-Dreadlock“, der jedem Rastafari alle Ehre machen würde. Diese Szene wird mindestens zweimal im Jahr, nämlich zu Zeiten des Fellwechsels, zum Ritual und wirft, neben dem schnell vergessenen Ärger über den Fleck im Teppich, immer wieder Fragen auf. Warum schluckt sie Fell? Warum frisst sie Gras? Ist das Grasfressen gefährlich und was kann man dagegen tun?

Katzengras – ja oder nein?

Katzen betreiben täglich ausgiebige Körperpflege, indem sie sich mit ihrer rauhen Zunge über das Fell lecken. Dabei werden malmehr, mal weniger Haare verschluckt, die zu mal mehr, mal weniger Haarballen im Magen führen. So weit, so gut. Ist die Katze eine langhaarige oder zumindest halblanghaarige Schönheit, wird sie in der Regel mehr Haar(e) verschlucken als ihre kurzhaarigen Artgenossen und entsprechend häufiger diese Haare wieder loswerden müssen. Fast alle Katzen haben dieses Problem, kommen aber mit Hilfe ihrer Halter durch ausgiebige Fellpflege weitestgehend damit zurecht. Nichtsdestotrotz sollte man beobachten ob und wie sehr verschluckte Haarballen das Wohlbefinden bzw. die Gesundheit der Katze beeinträchtigen und sie gegebenenfalls beim Loswerden der verschluckten Haare unterstützen.

Haarballen – gar nicht so ungefährlich

Leider ist es so, dass sich die Haarballen manchmal als sehr hartnäckig erweisen, sich weder vor noch zurück bewegen und der Katze im wahrsten Sinne des Wortes schwer im Magen liegen. Die Katze knabbert in diesem Fall, sofern vorhanden, an etwas Gras und würgt den Haarstrang mitsamt Grashalm wieder heraus. Auch wenn das Ganze nicht sehr appetitlich aussieht, sind die ausgespuckten „Zutaten“ nahezu geruchlos und das Problem Haarballen ist vorerst gelöst. Hat die Katze aber kein Katzengras zur Verfügung und bekommt auch sonst keine Unterstützung in Form von speziellem Futter oder Nahrungsergänzungsmitteln, kann es gefährlich werden. Denn Haarballen gehören bei Katzen zur häufigsten Ursache für einen Darmverschluss.

Die Sache mit dem Katzengras

Viele Katzen knabbern leidenschaftlich gerne an Gras und es ist eine gute Idee, gerade bei reiner Wohnungshaltung, seiner Katze einen schönen Topf mit Katzengras zur Verfügung zu stellen. Schon allein um das Knabbern an den Zimmerpflanzen zu vermeiden. Aber Gras ist nicht gleich Gras und nicht jede Sorte wird von jeder Katze gleichermaßen angenommen. Das Gras sollte selbstverständlich ungiftig, ungespritzt und aus sauberer Umgebung, wie zum Beispiel einem Gewächshaus sein. Um auf Nummer sicher zu gehen kann es auch auf der Fensterbank selbst gezogen werden.

Welches ist das beste Katzengras?

Ideal ist Gras mit weichen Halmen, wie zum Beispiel Weizenkeimgras, da zu feste Halme oder gar welche mit Widerhaken an den Seiten in Nase, im Hals oder Magen-Darmtrakt der Katze stecken bleiben können. Aber nicht jede Katze mag die weichen, empfehlenswerteren Sorten. Einige Katzen mögen eben gerade die festeren Halme mit „Crunch-Effekt“, wie das Zwerg-Zyperngras, welches auch gerne als Katzengras angeboten wird. Sofern die Katze das Knabbern nicht übertreibt, ist es erst einmal unproblematisch. Ist die Katze jedoch auf den Geschmack gekommen und knabbert mehr als ihr gut tut, kann es auch zu einer Magenschleimhautentzündung führen. Spätestens dann ist es ratsam den Tierarzt zu befragen und die Haarballen auf andere Art und Weise in den Griff zu bekommen.

Alternativen zum Katzengras

Als Alternative zu Keimgras aus Weizen, Roggen oder Gerste und Zyperngras, kommt das kriechende Schönpolster (Golliwoog®) als Knabberpflanze in Frage, welches in unbehandelter Form speziell als Nagerfutter angeboten wird. Die Grünlilie (chlorophytum comosum) ist in Katzenhaushalten ebenfalls eine beliebte Pflanze, die auch gerne zum Knabbern genutzt wird. Allerdings mit eingeschränkter Empfehlung. Denn sie filtert Schadstoffe aus der Luft, lagert diese inbden Blättern ab und ist nur ungedüngt und in Nichtraucherhaushalten unbedenklich. Zudem bildet sie gelegentlich Samen, die unbedingt entfernt werden sollten, da diese (wenn auch nur leicht) giftig sind. Ebenfalls eingeschränkt empfehlenswert ist der Zimmerbambus, da er in der Regel stark gespritzt ist und die jungen Triebe (die Sprossen) einen beachtlichen Giftanteil enthalten.

Unterstützung durch den Menschen

Neben dem Bereitstellen von Katzengras, kann der Halter selbst viel dazu beitragen das Auftreten von Haarballen zu vermeiden, indem er seine Katze regelmäßig bürstet und so das Verschlucken von Haaren deutlich reduziert. Zusätzlich kann die Gabe von Malzpaste oder anderen Nahrungsergänzungen hilfreich sein die Haarballen über den Darm abzuführen. Dabei ist zu beachten, ob es eventuell Nahrungsmittelallergien, Unverträglichkeiten oder andere gesundheitliche Einschränkungen gibt. Bei bestehendem Übergewicht der Katze ist zudem der Kaloriengehalt der Nahrungsergänzungen zu berücksichtigen und auf die Tagesration anzurechnen.