Nicht nur Menschen werden zunehmend älter. Auch Katzen erreichen dank guter Versorgung ein immer höheres Alter. So ist es nicht verwunderlich, dass auch Katzensenioren Wesensveränderungen und andere Altersbeschwerden zeigen können.  Alles kein Problem, wenn der Mensch bereit ist sich auf die Veränderungen vorzubereiten und sich darauf einstellt, dass nicht nur er selbst, sondern auch die Katze älter wird.

Katzensenior - Tiger

Im natürlichen Umfeld behalten Katzen ihre „Rolle“ bis zum Lebensende. Ein Senior ist in der Geschichte der Katze nicht vorgesehen, so dass alte Katzen in der Natur nicht lange überleben. Dies erklärt, warum sich Katzen auch bei starken Schmerzen und Krankheiten nach außen eher unauffällig zeigen, würden sie in der Natur doch dadurch erst auf ihre Schwächen aufmerksam machen und für Feinde eine leichte Beute darstellen.
Katzen die sich uns Menschen angeschlossen haben profitieren hingegen von geregelter und guter Ernährung und den Möglichkeiten der medizinischen Versorgung, so dass sie auch im Krankheitsfall gute Chancen auf Genesung und Fortführung ihres Lebens bekommen. Folglich werden Katzen heutzutage älter und bekommen es leider auch mit den natürlichen Auswirkungen des Alters zu tun.
Würde man das Bild einer alten Katze malen, so hätte sicherlich auch sie ein Hörgerät, eine Brille und einen Rollator. Könnte sie sprechen wie ein Mensch, würde Sie vermutlich auch von alten Zeiten erzählen, sich über das geschmacklose Essen und die Hektik in ihrem Umfeld beklagen und sich manchmal  fragen „Wo bin ich hier eigentlich?“.

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Formen der Alterung

Der Alterungsprozess teilt sich in „Biologische Alterung“ und „Umweltalterung“.
Die Biologische Alterung entsteht durch den Prozess der Zellteilung/Zellvermehrung und ist nicht aufzuhalten. Mit dem biologischen Alterungsprozess entwickeln sich zum Beispiel neben einer Abnahme der Funktionsfähigkeit der Sinnesorgane auch eine Schwächung der Muskulatur. Alle Faktoren der biologischen Alterung wirken mehr oder minder aufeinander ein und begünstigen sich zum Teil gegenseitig, so dass man frühzeitig mit entsprechenden Gegen- bzw. Trainingsmaßnahmen beginnen sollte.
Die Umweltalterung wird, wie der Name schon sagt, durch äußere Einflüsse verursacht. Dazu zählen Sonnenstrahlung, Stress, Passivrauchen in Raucherhaushalten, Langeweile… um nur einige Faktoren zu nennen. Hier gilt es lebenslang möglichst viele Negativeinflüsse zu vermeiden oder zumindest möglichst gering zu halten.

Wann ist eine Katze „alt“?

Ab etwa 11 Jahren fangen bei Katzen die altersbedingten Verhaltensveränderungen an.  Ab etwa 15 Jahren ist mit medizinischen Problemen zu rechnen. Dies ist aber lediglich als grobes Richtmaß zu betrachten, denn wie beim Menschen kann es auch erst viel später oder auch gar nicht zu ersichtlichen Altersbeschwerden kommen. Jede Katze ist ein Individuum.

Mit welchen Veränderungen muss man bei alten Katzen rechnen?

Wer seine Katze tagein tagaus um sich hat, wird vielleicht erst recht spät bemerken, dass auch die Katze älter geworden ist. Ein Großteil der Verhaltensveränderungen wird oft als „neue Marotte“ der Katze eingestuft, bevor „Mensch“ an das Älterwerden denkt. Eine zunehmende Einschränkung der Sinnesfunktionen kann zu einer Desorientierung der Katze führen. Das abnehmende Seh- oder Hörvermögen und der damit verbundene Orientierungsverlust, kann dabei zum Beispiel Stress und/oder Stressaggression auslösen.

Weniger hören, riechen, tasten verunsichert die Katze je nach Ausprägung mehr oder weniger stark, so dass Missverständnisse zu anderen Tieren im Haushalt aber auch zum Menschen entstehen können.:

  • Bekannte werden als Fremde misstrauisch beobachtet, Fremde werden als Freunde angesehen
  • neue Umweltreize (z.B. Geräusche, Gerüche) werden von der Katze als Bedrohung empfunden
  • die Katze vergisst den Standort der Katzentoilette und wird unsauber

In diesem Zusammenhang können sich auch die rassetypischen Merkmale und die persönlichen Eigenarten verstärken oder ins Gegenteil umkehren. Eine ruhige Katze wird zum Beispiel noch ruhiger oder hyperaktiv.

Gesundheitliche Veränderungen

  • Beeinträchtigung der Sinnesorgane (hören, sehen, schmecken, tasten)
  • Schwächung der Muskulatur
  • Schwächung des Bindegewebes
  • Abnutzungserscheinungen der Knochen
  • verminderter Stoffwechsel
  • Schwächung des Immunsystems

Typische Verhaltensveränderungen

  • Rastlosigkeit oder extremes Ruhebedürfnis (vermehrtes Schlafen)
  • Appetitlosigkeit (durch eingeschränkten Geruchs-/Geschmackssinn)
  • Verminderter Spieltrieb/Lethargie
  • Verwirrtheit (durch Orientierungslosigkeit)/vermehrtes Maunzen
  • Zunehmende Schreckhaftigkeit (durch eingeschränktes Hör-/Sehvermögen)
  • Kälteempfindlichkeit/frieren (durch schlechtere Durchblutung, Bewegungsmangel und schlechteren Stoffwechsel)
  • Verunsicherung durch Orientierungsverlust

Veränderungen der Sinnesorgane

1. Das Gehör

  • räumliches Hören verschlechtert sich
  • hohe Töne können besser geortet werden als tiefe Töne (die Verhärtung des Bindegewebes mindert die Schwingung der Gehörmembran, so dass tiefe Töne nicht mehr „differenziert“ wahrgenommen werden können.)
  • die Individualerkennung der Stimme, des Gangs (…) entfällt, da Klangmuster nicht mehr (so gut) erkannt werden

Probleme: Orientierungsverlust und Verunsicherung
Gegenmaßnahmen: höher Sprechen um der Katze das Hören zu erleichtern, Mehrkanalkommunikation einsetzen

2. Die Tastsinne

  • Tastfähigkeiten lassen nach

Problem: Schwierigkeiten mit Untergründen/Gleichgewicht, Gefahr von Verletzung durch Stürze oder auch Verbrennungen steigt (Herdplatte!)
Gegenmaßnahmen:  Sicherheit im Haushalt erhöhen, verstärkt auf die Katze achten

3. Geruch

  • Geruchsvermögen lässt nach (Riechzellenerneuerung verlangsamt sich)
  • Geruchsdifferenzierung fällt schwerer

Problem: Verunsicherung
Gegenmaßnahmen: frühzeitiges, aktives Verhaltensmanagement um fremden Gerüchen den Schrecken zu nehmen

Veränderungen in Bezug auf die Botenstoffe

Serotonin – die Neubildung verlangsamt, der Abbau beschleunigt sich

Problem: Serotininmangel führt zu instabilem Verhalten, wie zum Beispiel Aggression, Reizbarkeit, seniler Bettflucht und kann auch zu Verstopfung führen.
Gegenmaßnahme: Eine Behandlung mit Medikamenten durch den Tierarzt, kann testweise aufgrund der Verhaltensschilderung erfolgen.
Bei Hektik und Nervosität der Katze sollte der Thyroxinspiegel getestet werden, da sich das Schilddrüsenhormon unter anderem auch auf den Adrenalinhaushalt auswirkt. Adrenalin beeinflusst als Hormon des aktiven Stresssystems das Verhalten hinsichtlich Erkundung und Problembewältigung, sowie das Fluchtverhalten der Katze.

Dopamin – der Dopaminspiegel sinkt

Problem: Der Mangel an der „Lern- und Selbstbestätigungsdroge“ Dopamin führt zu Antriebslosigkeit.
Gegenmaßnahme: Anregung durch Verhaltenstraining (Clickertraining, freies Shaping) für einen Belohnungseffekt. Bei Hund und Mensch kann auch Ginkoextrakt als Nahrungsergänzung eingesetzt werden.

Cortisol – der Cortisolspiegel steigt

Problem: Ein Anstieg des Cortisolspiegels führt zu Gedächtnisschwäche, Stressempfindlichkeit, Konzentrationsschwäche, eingeschränktem Erinnerungsvermögen, einem „Gefühl von Prüfungsstress“ und mündet in Orientierungslosigkeit.
Gegenmaßnahmen: Zur Dämpfung des Cortisolspiegels muss die Serotonin- und Dopaminversorgung angehoben werden. Die kann durch die Gabe entsprechender Medikamente durch den Tierarzt erfolgen.

Wie kann man den Auswirkungen der Alterung entgegenwirken?
Und wie kann man sich und seine Katze darauf vorbereiten?

Auch hier gibt es durchaus wieder Parallelen zu uns Menschen. So kann man der Entwicklung von Senilität (verursacht durch Dopaminverlust) durch geistige Aktivitäten, wie Clickertraining und Geschicklichkeitsspiele, entgegenwirken.
Da davon auszugehen ist, dass ein oder sogar mehrere Sinnesorgane mit zunehmendem Alter ausfallen oder zumindest beeinträchtigt werden, sollte man bereits frühzeitig auf verschiedenen Kanälen kommunizieren. Zusätzlich zur Stimme können beim Spielen  zum Beispiel auch Gesten eingesetzt und trainiert werden. Fällt später ein Sinnesorgan aus, bleibt eine Alternative.
Auch eine biologisch sinnvolle Ernährung, zur Schonung der Leber und zur Vermeidung von Übergewicht) ist nicht erst mit fortgeschrittenem Alter ratsam. Im Alter können entsprechende Nahrungsergänzungsmittel hilfreich sein.
Gerade bei Katzen ist ein aktives Verhaltensmanagement (möglichst schon in jungen Jahren) wichtig. Regelmäßiges Stressbewältigungstraining, zum Beispiel durch zu bewältigende Frustrationen und viel Abwechslung im Alltag (neue Gerüche, Geräusche, Gegenstände) kann dann zu einer Stabilisierung des Stresshormonsystems führen.
Grundsätzlich sollte Mensch wie Katze auf alles verzichten, was für die Gesundheit schädlich ist. Dazu zählen auch übermäßige Sonnenstrahlung, Stress, Passivrauchen und nicht zuletzt Langeweile. Für alle altersbedingten Veränderungen hat Dr. Udo Gansloßer sehr treffend auf folgendes Zitat zurückgegriffen „Was mal war, wird nicht mehr.“ Demnach ist es ratsam frühzeitig Gegenmaßnahmen für die bekannten Veränderungen zu ergreifen um den Alterungsprozess zu verlangsamen und die Beschwerden möglichst lange gering zu halten.

Dolly & Pauli - aus klein wird groß

Noch ein Tipp zum Schluss

Alte Katzen verletzen sich nicht nur leichter, gerade Freigänger haben manchmal nicht mehr die Kraft sich wie früher im Revier zu behaupten und kommen mit Verletzungen nach Hause. Halten Sie ein Desinfektionsmittel bereit, um offene Wunden schnell desinfizieren zu können, um Entzündungen zu verhindern. Ihr Tierarzt berät Sie, welche Mittel sich am besten eignen. Bei Wohnungskatzen die langsam etwas wackeliger auf den Beinen werden, können Sie zusätzliche Kletterhöhen in Form von Hockern oder Regalen aufstellen, damit die Katze auch weiterhin problemlos ihre Lieblingsplätze erreichen kann.

Wenn Sie nun vermuten, dass Ihre Katze Anzeichen einer Demenz oder anderen Alterserscheinungen zeigt, zögern Sie nicht lange und fragen Sie direkt Ihren Tierarzt oder Tierheilpraktiker. Nur ein Experte kann den Gesundheitszustand Ihrer Katze beurteilen und die richtigen Gegenmaßnahmen ergreifen.

Die alte Katze verlangt eine Extraportion Zuwendung und Einfühlungsvermögen. Ich bin der Meinung sie hat sich diese Zuwendung, wie jedes andere Lebewesen übrigens auch, verdient und sollte nicht als zickige und launische alte Diva ihrem Schicksal überlassen werden oder gar in ein Tierheim abgeschoben werden. Denn wir alle werden älter…