Erschienen im TierBlättla, Ausgabe 28/2016


Der Geruchssinn der Katze ist nicht nur uns Menschen haushoch überlegen. Auch deuten wissenschaftliche Erkenntnisse darauf hin, dass die Leistung des Riechsystems der Katzen wohl nicht viel schlechter ist, als die der Hunde. Für das Zusammenleben mit uns Menschen hat dies eine ganz besondere Bedeutung, denn Katzen können Dinge riechen, die uns Menschen vollkommen verborgen bleiben. Und das kann Konsequenzen haben.

Wie riechen Katzen?

Katzen haben zum Riechen nicht nur ihre Nase zur Verfügung, sondern zusätzlich auch noch das sogenannte Jacobsonsche Organ. Wenn Katzen flehmen (das ist der Moment, wenn die Katze mit für uns lustigem Gesichtsausdruck und halboffenem Maul „atmet“) führen sie diesem Zusatzorgan Gerüche zu. Der Geruch der Baldrianwurzel oder von Katzenminze kann Katzen in einen regelrechten Rausch versetzen.

Wieviel besser als Menschen können Katzen riechen?

Katzen haben mit 60 Millionen Riechzellen drei Mal so viele Riechzellen wie wir. Bereits ein neugeborenes Katzenbaby hat ein hochentwickeltes Riechvermögen und das, während Augen und Ohren noch verschlossen sind. In den ersten Lebenswochen findet das Katzenbaby einzig über den Geruch den Weg zur nährenden Zitze. Erst in der dritten Woche werden schließlich die Augen zum wichtigsten Sinnesorgan. Die Riechleistung von Katzen ist also enorm.

Wofür wird der Geruchssinn eingesetzt?

Der Geruch entscheidet zum Beispiel darüber, ob ein Futter gefressen oder stehengelassen wird. Aber auch bei der Kommunikation mit Artgenossen, anderen Tieren und Menschen, sowie beim Sexualverhalten setzt die Katze auf den richtigen Riecher. Es wird vermutet, dass die chemische Kommunikation über Gerüche und Pheromone eine der wichtigsten Möglichkeiten von Katzen ist, um Nachrichten zu übermitteln. Mit den für uns geruchlosen Pheromonen aus den Drüsen an Kinn, Wange und zwischen den Zehen, hinterlassen Katzen für ihre Artgenossen duftende Visitenkarten und machen damit ihr Zuhause zu einem heimeligen Ort. Dies macht man sich auch in der Verhaltenstherapie mit künstlichen Pheromonen zu nutze.

Können Gerüche zu Problemen führen?

Auf jeden Fall. Katzen die nur über ein geringes Repertoire an bekannten Gerüchen verfügen, können durch fremde Gerüche besonders leicht verängstigt werden. Diese Verunsicherung zeigt sich dann zum Beispiel mit Harnmarkieren. Die Katze versucht dabei durch ein paar Tropfen Urin den fremden Geruch zu überdecken und ihr Zuhause wieder sicher zu machen. Aber auch Katzen mit umfangreicher Geruchserfahrung können bei bestimmten Gerüchen irritiert reagieren. Frisch gewaschene, stark duftende Wäsche oder auch Sporttaschen gehören zu den Klassikern, die Irritationen hervorrufen.

Wie sollte man verunreinigten Stellen im Katzenhaushalt behandeln?

Ist zum Beispiel als Folge einer Blasenentzündung mal etwas Urin daneben gegangen, so sollte man die betroffenen Stellen keinesfalls mit normalem Haushaltsreiniger behandeln. Die meist sehr starken Düfte der Reiniger könnten das zuvor beschrieben Verhalten auslösen. Um Urin-, aber auch Kotflecken so zu reinigen, dass die Katzennase weder irritiert vom Geruch des Reinigers ist noch dass Restgerüche bestehen bleiben, eignen sich spezielle, ungiftige Geruchsneutralisierer für Heimtiere. Nur so kann gewährleistet werden, dass die gereinigte Stelle auch für Katzennasen wieder zum neutralen Boden wird.

Was gibt es sonst noch im Katzenhaushalt zu berücksichtigen?

Beduftete Katzenstreus, Reinigungsmittel oder gar Katzentoiletten-Deos können zur Nichtbenutzung der Katzentoilette führen, da gerade die Katzentoilette ein äußerst sensibler Ort ist. Hier sollten keine Düfte zum Einsatz kommen. Außerdem: Was nicht gut riecht, wird auch durch Parfum nicht besser. Eine gute Streu und regelmäßige Reinigung reichen vollkommen aus. Hat man eine besonders Geruch-sensible Katze, ist es nur fair darauf Rücksicht zu nehmen und sie nicht noch mit starken Parfums zu belästigen. Wer will schon gerne mit einem überparfümierten Kollegen das Büro teilen 😉

Über die Autorin: Sabine Ruthenfranz beschäftigt sich seit vielen Jahren professionell mit den Bedürfnissen von Katzen. Neben dem Betrieb ihrer Internetseiten Katzen-Minze.de und Katzen-Leben.de, berät sie auch Hersteller bei der Produktentwicklung für Katzenzubehör. Darüber hinaus schreibt die mehrfache Buchautorin für die Fachpresse der Heimtierbranche und ist als Dozentin für den Zoofachhandel tätig. Mit dem „Erlebnistag Katze“ hat sie eine Seminarreihe ins Leben gerufen, um Haltern auf angenehme Art und Weise das notwendige Hintergrundwissen für ein harmonisches Zusammenleben von Mensch und Katze zu vermitteln. Neuerscheinung: Katzenbalkon – für Katzen geeignete Pflanzen finden und Vergiftungen vermeiden ISBN-13: 978-3735786371 Preis: 16,99 € Katzen knabbern gerne an Pflanzen und wissen leider nicht, welche Pflanzen für sie giftig sind. Zudem können auch Mittel zur Schädlingsbekämpfung an sich ungiftige Pflanzen giftig machen, so dass diese von Katzen nicht gefressen werden sollten. Dieses Buch richtet sich an alle, die sich näher mit Pflanzen im Katzenhaushalt und vor allem auf dem Katzenbalkon beschäftigen möchten. Ergänzend zu den bereits im Buch “Katzenpflanzen” vorgestellten, enthält dieses Buch weitere für Katzen geeignete Pflanzen, sowie Tipps zur “chemiefreien” Pflanzenpflege. Mit den jeweils 10 bekanntesten Giftpflanzen nach Saison, bietet das Buch zudem einen schnellen Weg die gängigsten, saisonalen Vergiftungsrisiken für Katzen zu vermeiden.

  • neue für Katzen geeignete Pflanzen
  • Futterpflanzen, Golliwoog® & Co.
  • Pflanzenschädlinge bekämpfen ohne Gift
  • Nützliche Utensilien zur Pflanzenpflege
  • Düngen im Katzenhaushalt
  • Check zur Risikoeinschätzung
  • Was tun bei Vergiftungen?

 

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