Ein Interview mit mir im Tiermagazin TierBlättla, über Qualität und Preis von Katzenzubehör, sowie die Stolpersteine bei Beschaffung und Auswahl.

Frau Ruthenfranz, Sie schreiben nicht nur Ratgeber für Katzenhalter, sondern sind auch im Bereich Marketing selbständig und unterstützen bei der Entwicklung von Katzenzubehör. Was fasziniert Sie daran?

Mit Katzenzubehör ist es ähnlich wie mit Babyprodukten. In beiden Fällen werden die Produkte nicht vom eigentlichen Nutzer selbst gekauft. Wenn Eltern neue Windeln für ihr Baby kaufen, müssen sie sich zum Beispiel was den Tragekomfort betrifft erst einmal auf die Aussagen in der Werbung verlassen. Bei Katzenhaltern ist es ähnlich. Wir kaufen Produkte von denen wir glauben oder hoffen, dass diese für unsere Katzen gut oder interessant sind. Katzen sind jedoch äußerst individuelle Wesen. Was für die eine Katze gut ist oder angenommen wird, ist für eine andere Katze unter Umständen inakzeptabel. Es gilt also immer erst einmal allgemeine Grundbedürfnisse zu berücksichtigen und diese dann möglichst so zu variieren, dass sie für eine größere, markttaugliche Gruppe Katzen passen.

Was sollte ich als Katzenhalter beim Kauf von Katzenzubehör berücksichtigen?

Eigentlich ist es kein Hexenwerk. Zuerst einmal ist es wichtig die Bedürfnisse von Katzen im Allgemeinen und von seiner eigenen Katze im Besonderen zu kennen. Dann ist es ratsam eine gesunde Skepsis zu behalten, denn nicht alles was auf dem Markt angeboten wird ist gut, nützlich oder funktional. Man kann sich also leider nicht blind darauf verlassen, dass die angebotenen Produkte tatsächlich zum Wohle der Katze entwickelt wurden. Das ist es eigentlich auch schon.

Das heißt nur weil ein Produkt im Spezialhandel angeboten wird, ist es nicht unbedingt auch empfehlenswert?

Genau, es gibt sogar Produkte, die ohne ausführliche Anleitung besser gar nicht im Handel angeboten werden sollten, da die Gefahr einer Falschanwendung einfach zu groß ist. Wenn man sich manch eine Produktentwicklung ansieht, ist erstaunlich mit welchen Mitteln die Tauglichkeit oder der Nutzwert getestet wird. Manchmal ist es tatsächlich nur Vermutung eines Herstellers, dass das Produkt gut für Katzen ist. Auch Aussagen wie „Die Katze unseres Hausmeisters liebt das Produkt xy“ sind nicht selten. So ein Test reicht selbstverständlich nicht aus, um ein Produkt auf Tauglichkeit hin zu prüfen. Es gibt Produktentwicklungen die rein auf den finanziellen Profit abzielen und die Bedürfnisse der Katze vollkommen außer Acht lassen. Rühmliche Ausnahmen, also Produkte die sehr gründlich auf die Katzenbedürfnisse abgestimmt sind, haben es hingegen oft schwer sich am Markt zu behaupten und verschwinden von der Bildfläche.

Wie und wo finden Sie Produkte für sich und Ihre Katzen, die Ihren Anforderungen genügen?

Da ich viele Katzenmenschen kenne, bekomme ich oft über persönliche Kontakte Empfehlungen und Erfahrungen von den Produkten. Meist recherchiere ich jedoch online nach bestimmten Anforderungen, Materialien, Eigenschaften und wähle danach die Produkte aus. Manchmal tappe ich allerdings auch bewusst in Marketingfallen, weil mich das Thema aus beruflichen Gründen sehr interessiert. Dann schaue ich mir speziell an wie bestimmte Eigenschaften kommuniziert werden und was tatsächlich dahinter steckt.

Muss ich als Katzenhalter befürchten, dass es nur noch schlechte Produkte zu kaufen gibt?

Nein, ganz und gar nicht. Es gibt Hersteller, die mit viel Herzblut exzellente Produkte entwickeln. Allerdings haben diese oft einen höheren Preis und sind in der Regel leider nicht im Markt um die Ecke zu bekommen, da sie dem Preiskampf nicht gewachsen sind. Es lohnt sich also immer Augen und Ohren offen zu halten. Und das ist schließlich nicht nur bei Katzenprodukten so, sondern bei allem was wir Menschen tagtäglich konsumieren.

Erschienen im TierBlättla, Ausgabe 32/2017