Diese Frage wird mir immer wieder gestellt und tatsächlich gibt es dazu sehr unterschiedliche Aussagen. Ich würde sie gerne einfach nur mit ja oder nein beantworten, aber das ist aus vielerlei Gründen keine gute Idee.

Sind Primeln für Katzen giftig?

Unter anderem auch deshalb, weil die Bedeutung „giftig“ verschiedenste Abstufungen hat und von Jedermann etwas anders verwendet wird.  Für die Frage „Sind Primeln für Katzen giftig?“ muss ich also etwas weiter ausholen. Wenn dich die Hintergründe nicht interessieren, dann klicke einfach hier und du gelangst direkt zum Fazit dieses Artikels. (Das fänd’ ich aber sehr schade 😉 )

Manch einer meint mit der Aussage “etwas sei giftig” in etwa Folgendes: „Wenn du nur einen Happen davon isst, fällst du sofort tot um.“ Und in der Tat gibt es solch giftige Substanzen. Wenn es darum geht, ob etwas für uns Menschen „giftig“ ist, gibt es also sehr unterschiedliche Interpretationsformen. Wusstest du zum Beispiel, dass das bekannte Gewürz Muskatnuss giftig ist? Trotzdem verwenden wir es in geringer Dosis zum würzen unserer Gerichte.

Und auch unter den Katzenhaltern gehen in Bezug auf Pflanzen die Meinungen auseinander. Einige verzichten gänzlich auf Zimmerpflanzen, um möglichen Risiken aus dem Weg zu gehen. Dennoch haben einige giftige Schnittblumen auf dem Wohnzimmertisch, da sie der Ansicht sind, dass ihre Katzen dort niemals rangehen würden. Andere sind der Meinung, dass Katzengras ihre Katzen vor jeglichen Pflanzengefahren fernhalten würde. Doch das ist leider nicht zuverlässig. Und einige können nicht verstehen, dass prinzipiell jede Pflanze ab einer gewissen “Dosierung” schädlich sein kann. Der Umgang mit Katzen und Pflanzen ist also leider etwas vielschichtiger.  Oft stellt sich damit auch die Frage: Sind die Warnhinweise rund um Giftpflanzen im Katzenhaushalt reine Panikmache? Oder anders herum: Ist es vielleicht sogar leichtssinnig überhaupt Pflanzen im Katzenhaushalt aufzustellen? Hierzu habe ich auch bereits einen Artikel geschrieben, den ich dir ans Herz legen möchte.

Nicht jede Primel ist gleich giftig.

In meinen Büchern Katzenpflanzen und Katzenbalkon unterscheide ich deshalb auch nicht zwischen giftig und ungiftig. Sondern zwischen Knabberpflanzen und unbedenklichen Dekopflanzen. Letztere sind ungiftig oder nur so gering giftig, dass sie bei gelegentlichem Anknabbern keinen großen Schaden anrichten. Zum regelmäßigen Verzehr sind sie hingegen nicht geeignet.

Im Zusammenhang mit der Giftigkeit für Katzen, stellen sich grundsätzlich folgende Fragen:

  1. Was bedeutet eigentlich giftig?
  2. Um welche Pflanze (in diesem Fall um was für eine Primel), handelt es sich genau?
  3. Wie hoch ist das Vergiftungsrisiko für Katzen?

Was bedeutet eigentlich giftig?

Die umgangssprachliche Aussage, dass etwas giftig oder ungiftig sei, ist in den meisten Fällen streng genommen falsch. Denn bei diesen Aussagen muss immer zusätzlich bekannt sein, für welches Individuum (Mensch, Vogel, Katze…) eine Substanz giftig, also schädlich ist. Und natürlich ab welcher aufgenommenen Menge mit einer Schädigung des Individuums zu rechnen ist. Den meisten wird bekannt sein, dass nun einmal die Dosis darüber entscheidet, ob etwas bekömmlich oder schädigend ist. Sämtliche Medikamente beruhen auf der Tatsache, dass nun einmal die aufgenommene Menge entscheidend ist. Und das ist auch bei Pflanzen, welche von Katzen gefressen oder angeknabbert werden so.

Es gibt Pflanzen, welche so stark giftig sind, dass bereits ein Hauch von Blütenstaub im Fell zu lebensbedrohlichen Vergiftungssymptomen führen kann (zum Beispiel Lilien, botan. Lilium sp.). Dann gibt es Pflanzen, die erst bei regelmäßigem Verzehr zu schleichenden und vorerst unbemerkten Vergiftungen führen. Und es gibt Pflanzen, welche so geringfügige Mengen an Giftstoffen enthalten, dass eine gelegentliche oder einmalige Aufnahme von Pflanzenteilen ohne gesundheitliche Folgen bleibt.

Primel oder Becherprimel? Das ist hier die Frage.

Um welche Primel handelt es sich genau?

Im Alltag verwenden wir alle umgangssprachliche Bezeichnungen für Pflanzen, da die botanischen Namen meist wahre Zungenbrecher sind. Allerdings bergen die sogenannten Trivialnamen die Gefahr sehr ungenau zu sein. Man weiß also meist nicht 100%tig, welche Pflanze tatsächlich gemeint ist. Bei Primeln ist vor allem zu unterscheiden, ob es sich um eine Becherprimel (Primula obconica) oder eine „Frühlingsprimel“ (Primula vulgaris) handelt. Beide werden umgangssprachlich jedoch nur mit „Primel“ bezeichnet. Sowohl die Becherprimel (Primula obconica), als auch die (Frühlings-) Primel (Primula vulgaris), gehören zur Pflanzengattung „Primula“.  Für beide gibt es derzeit keine dokumentierten Vergiftungsfälle bei Tieren in der Literatur.

Die Becherprimel ist für Katzen giftig!

Die Becherprimel (Primula obconica)

Von der Becherprimel weiß man, dass sie ein starkes Allergen (Primin) enthält, welches bei Menschen und Tieren (also auch bei Katzen) zu Kontaktdermatitis führen kann. In der Fachliteratur wird die Becherprimel auch als Giftprimel bezeichnet. Sie stammt aus China und findet im Gegensatz zur Frühlingsprimel als Zimmerpflanze Verwendung. Ihre Drüsenhaare, welche an Kelch und Blütenstiel zu finden sind, enthalten das gefürchtete Allergen Primin.  Weitere Primelarten, die zu Allergien führen können sind zum Beispiel die Freilandprimeln Primula auricula und Primula denticulata.

Im Handel gibt es mittlerweile besondere Sorten, zum Beispiel die Primula obconica „Touch me“, welche verspricht beim Menschen keine Kontaktallergie auszulösen. Diese speziellen Sorten Sorten sollen kaum oder kein Primin enthalten. Eine sichere Aussage hinsichtlich der Bedeutung oder gar Eignung dieser Primelsorte für Katzen, kann jedoch nicht getroffen werden, da neben dem Primin auch andere Inhaltsstoffe, wie zum Beispiel Flavonoide, enthalten sind.

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Die Konzentration von giftigen Inhaltsstoffen in Pflanzen schwankt!

In meinen Büchern habe ich bereits darauf hingewiesen, dass die Konzentration eines Giftstoffs in einer Pflanze nicht exakt vorhersehbar ist, da diese von mehreren Faktoren abhängt. Da ich in der Becherprimel ein so schönes Beispiel gefunden habe, noch ein kleiner Ausflug zum Thema Giftkonzentration. Denn bei der Becherprimel schwankt der Gehalt von Primin in Abhängigkeit von Luftfeuchtigkeit, Lichteinfluss, Bodenbeschaffenheit und Kälte. Je wärmer und feuchter eine Primel steht und je mehr Stickstoff und Kalk in der Düngung enthalten sind, desto größer ist die Priminkonzentration (Literturhinweis: Giftpflanzen/Pflanzengifte, Roth/Daunderer/Kormann, Nikol).

Die klassische Primel (Primula vulgaris) ist für Katzen unbedenklich.

Die Primel (Primula vulgaris)

Alle Primelarten (Primulaceen) können Primin enthalten, somit auch die Primula vulgaris. Allerdings in deutlich geringeren Mengen als es bei der Becherprimel (Primula obconica) der Fall ist.  Die Konzentration reicht beim Menschen dann in der Regel nicht aus, um zu gesundheitlichen Problemen zu führen: Besteht jedoch eine Überempfindlichkeit auf Primin, kann es bei Allergikern zu Kontaktekzemen führen. Hier gilt es Hautkontakt und das Einatmen von Pollen und Pflanzenstäuben (zum Beispiel durch getrocknete Pflanzenteile) zu vermeiden. (Literturhinweis: Giftpflanzen/Pflanzengifte, Roth/Daunderer/Kormann, Nikol).

Vergiftungsrisiko durch Primeln für Katzen
– Sind Primeln für Katzen giftig, oder nicht?

Für unsere Katzen bedeuten die vorangegangenen Informationen, dass im Katzenhaushalt in erster Linie die Becherprimel (Primula obconica) zu meiden ist. Die Primel (Primula vulgaris), stellt hingegen kaum bis nur ein geringes Risiko für Katzen dar. Deshalb führe ich sie in meiner Kategorie „unbedenkliche Dekopflanzen“. Sollte eine Katze jedoch besonderes Interesse an den Primeln im Balkonkasten zeigen, so sind diese (wie alle anderen Pflanzen auch) aus Sicherheitsgründen zu entfernen.

Es liegt also wie immer auch ein wenig in der Natur der jeweiligen Katze, ob das Risiko vertretbar oder als zu riskant erscheint. Wer also mit besonders knabberfreudigen oder auch sehr jungen, alten oder bereits kranken Katzen sein Zuhause teilt, der sollte besonders vorsichtig sein. In allen anderen Fällen ist das Risiko durch die Primel (Primula vulgaris) als durchaus vertretbar einzustufen. Auch in der Datenbank des Instituts für Veterinärpharmakologie und –toxikologie in der Schweiz, ist die Primel als unproblematische Pflanze eingestuft. Dies heißt jedoch nicht, dass es in Einzelfällen nicht doch zu Schwierigkeiten kommen kann.

Wer für alle Fälle gewappnet sein will und jegliches Risiko ausschließen möchte, der möge sich an die winzige Auswahl an Knabberpflanzen halten. Denn es gibt leider nur extrem wenige Pflanzen, die erwiesenermaßen zum Verzehr geeignet sind und die zusätzlich vollkommen unbehandelt erhältlich sind.