Am 22. Oktober feiert der Verein EL CAPITÁN animal project e.V. 10-jähriges Bestehen. Der Tierschutzverein kümmert sich vorwiegend um herrenlose Katzen auf der kanarischen Insel Fuerteventura. Dabei geht es in erster Linie darum ein Anwachsen der Katzenpopulation vor Ort auf Fuerteventura zu stoppen und weniger darum Katzen von dort nach Deutschland zu holen.

Ich habe mit Vereinsgründerin und Vorsitzenden Mirjam Kirschsieper gesprochen, die uns im folgenden Interview einige Hintergründe zum Thema Auslandstierschutz und zu ihrem Verein erklärt.

 

Mirjam, wie ist es dazu gekommen, dass du dich ausgerechnet um Katzen auf Fuerteventura kümmerst?

1999 führte mich ein Last-Minute-Urlaub auf die kanarische Insel Fuerteventura. In unserer Bungalowanlage gab es viele Katzen, deren Anwesenheit ich sehr genossen habe. Bis ich dann realisierte was für ein bedauernswertes Leben die unkastrierten Streunerkatzen eigentlich führen. Es hat in diesem Urlaub irgendwie „Klick“ gemacht. Seitdem habe ich eine andere Sichtweise auf herrenlose Tiere und versuche deren Situation lebenswert zu machen. Besonders die der Katzen, weil gerade die – genau wie Kleintiere – im Tierschutz hinter den Hunden immer die 2. Geige spielen.

Was war der Stein des Anstoßes für dich den Verein zu gründen?

Ich wollte mein Engagement auf eine rechtliche Basis stellen, das geht nur mit der Gründung eines Vereins. Vorteilhaft ist u.a. die Erlaubnis zur Ausstellung von Spendenquittungen, die bei der Steuererklärung geltend gemacht werden können.

Woher kommt der Name “EL CAPITÁN”?

Da wir Katzenschutz in Spanien betreiben, wollten wir auch einen spanischen Part in unserem Vereinsnamen. EL CAPITÁN steht für einen verwahrlosten, ausgesetzten, einäugigen, älteren Kater, der sich allein durchschlagen musste. Er hat nie aufgegeben an das Gute im Menschen zu glauben, nie die Hoffnung verloren und sich auch durch keine Krankheit, keinen Schicksalsschlag aus der Bahn werfen lassen.

Wie hat das mit dem Verein angefangen? Was war besonders schwierig dabei? Wie habt ihr euch durch den ganzen Wust an Gesetzen und Vorgaben gekämpft?

Vor der Gründung lag erst einmal viel Recherchearbeit und natürlich die Suche nach 7 Gründungsmitgliedern. Letztere war schwerer als gedacht, Zusagen wurden zurückgezogen so dass schließlich Familienmitglieder rekrutiert werden mussten. Seit der Gründung nimmt der Vorstand regelmäßig an Fortbildungen im Bereich Vereinsarbeit teil.

Die Tierschutzthematik ist ja schon in Deutschland ohne Sprachbarriere oft sehr kompliziert. Wie managst du das auf Fuerteventura und das auch noch aus der Ferne?

Wir haben uns auf Fuerteventura mit den Jahren ein kleines, aber feines Netzwerk aufgebaut. Die Informationskette ist klar geregelt, die Kommunikation läuft mehrsprachig (deutsch, spanisch, englisch) ab. Dank der neuen Kommunikationskanäle, die uns das Internet bietet, kann ich auch hier in Deutschland up to date sein was das Katzenschutzgeschehen in Fuerteventura angeht. Aber nichts geht natürlich über die persönliche Kommunikation, den Informationen aus 1. Hand und so ist der Vorstand mehrmals im Jahr vor Ort. Schon vor der Gründung von EL CAPITÀN hatte ich mehrere Sprachkurse in Spanisch besucht, das kam mir dann bei der Tierschutzarbeit zu Gute. Anfänglich hatte ich dann noch einen Privatlehrer, aber die Zeit dafür finde ich einfach nicht mehr.

Auf eurer Homepage werden die Vereinsstärken unter anderem mit “professionellen Rahmenbedingungen” beschrieben. Was ist darunter zu verstehen?

Wir arbeiten mit lokalen Tierkliniken in Sachen Populationskontrolle und medizinischer Versorgung von Straßenkatzen zusammen. Die herrenlosen Katzen erfahren die gleiche tierärztliche Behandlung wie ein privater Stubentiger. Die Kastrationen werden nicht etwa auf dem Küchentisch durchgeführt, sondern im sterilen OP unserer Kooperationspartner mit allem was dazu gehört. Diese Professionalität hat natürlich ihren Preis, doch lieber eine Katze weniger kastriert als eine zu viel leiden zu lassen weil man auf das Schmerzmittel verzichtet oder das OP-Besteck nicht wechselt.

Wenn es darum geht Tiere im Ausland zu unterstützen, scheiden sich oft die Geister. Da gibt es einerseits viele Vorurteile, aber sicherlich auch Risiken, die es zu meistern gilt. Fangen wir mal beim Thema Krankheiten an: Was macht ihr um das “Einschleppen” von Krankheiten zu verhindern?

Überall wo Mensch und Tier zusammenleben gibt es problematische Situationen – auch bei uns hier in Deutschland. Doch durch unsere Reisen sind wir Teil des Tierschutzproblems im Ausland. Denn für uns Touristen wird eine Infrastruktur geschaffen, die z.B. das Nahrungsangebot für herrenlose Katzen exorbitant vergrößert. Mehr Nahrung, mehr Katzen, mehr Elend. Einfach gesagt: wir tragen eine Mitschuld an der Streunerkatzenproblematik. Und deshalb ist es aus meiner Sicht nur konsequent zu versuchen diese auch zu lösen. Unsere Vermittlungskatzen werden natürlich desparasitiert, geimpft und auf Viruserkrankungen wie FIV (Katzenaids) und FeLV (Leukose) getestet – und das nicht erst kurz vor dem Ausflug. Vor dem Flug werden sie noch einmal dem Tierarzt vorgestellt, der eine abschließende Gesundheitsuntersuchung macht.

Müssen sich die Tierheime in Deutschland sorgen, dass durch euch nun noch mehr Katzen aus Fuerteventura die Tierheime überfüllen?

Die Katzen, die über EL CAPITÁN nach Deutschland kommen haben bereits ein neues Zuhause gefunden in das sie sofort nach dem Flug einziehen. Sollte der neue Besitzer sich irgendwann einmal von dem Tier trennen müssen, so regelt unser Schutzvertrag, dass wir das Tier wieder in unsere Obhut nehmen. Wir haben noch nie ein deutsches Tierheim mit unseren Vermittlungstieren belastet.

In eurem Impressum auf der Homepage steht: “EL CAPITÁN animal project e.V. ist eine geprüfte Organisation mit Erlaubnis nach §11 TierSchG Abs. 1 Nr. 5, Veterinäramt Düsseldorf.” Was bedeutet das?

Alle juristischen oder natürlichen Personen, die Hunde oder Katzen legal nach Deutschland einführen um diese zu vermitteln benötigen diese Erlaubnis ihres zuständigen Veterinäramtes.

Auf welche besonderen Erfolge kann der Verein zurückblicken? Welche Ziele habt ihr schon erreichen können?

Wir wurden wiederholt von Schulen in Fuerteventura eingeladen um über das Thema Straßenkatzen zu referieren. Diese Arbeit an der Basis macht uns immer besondere Freude. Es ist auch schön zu sehen wie sehr unser Gratis-Kastrations-Projekt für mittellose Katzenhalter angenommen wird. Viele möchten ihr Tier kastrieren lassen, können sich aber die hohen Kosten (weibliche Katze ca. 160 Euro) von ihrem Arbeitslosengehalt nicht leisten. In der Vergangenheit mussten sie dann den unerwünschten Nachwuchs irgendwie loswerden: verschenken, aussetzen oder …. Diesen Kreislauf versuchen wir mit unserem Projekt zu durchbrechen. Aber wie all unsere Projekte so steht und fällt auch dieses mit unseren finanziellen Mitteln.

Was habt ihr euch für die Zukunft vorgenommen?

EL CAPITÁN weiß nie wie der nächste Tag, die nächste Woche aussieht. Heute kann alles noch rosig aussehen, dann kommen wie schon mal dagewesen 8 ausgesetzte Kitten in unsere Obhut, die alle auch noch eine höchst ansteckende Hautpilzerkrankung haben und schon steigen unsere Kosten in die Tausende. Das sind Situationen, die uns ganz schnell den Boden unter den Füßen wegreißen und wir dann gezwungen sind unsere Tierschutzarbeit erst einmal einzufrieren. Wünschen würden wir uns die Anmietung einer Finca auf der Seniorenkatzen untergebracht und fachgerecht betreut werden könnten. Da wird der Bedarf in nächster Zeit steigen, denn die Katzen werden dank unserer Tierschutzarbeit immer älter. Doch leider können nicht alle bis zum Schluss in ihrem Lebensraum bleiben. Doch sie vor ihrer Zeit einzuschläfern kommt für uns nicht in Frage.

Zu guter Letzt: Wie, wo und womit kann man euch unterstützen?

Wir brauchen monetäre Hilfe um unsere Tierschutzarbeit überhaupt leisten zu können. Sei es durch eine Spende, einen Dauerauftrag, eine Mitgliedschaft, eine Patenschaft. Oder man shoppt über das Onlineportal boost zugunsten von EL CAPITÁN. Es geht aber auch ganz ohne Geldausgeben mit der App für’s Handy der Plattform smoost.

Ich wünsche euch weiterhin alles Gute und viel Erfolg bei eurer wichtigen Arbeit!

Danke Sabine für das nette Gespräch.

Weitere Informationen über EL CAPITÁN findet ihr unter: www.animal-project.de

Spenden sind natürlich auch über das Vereinskonto willkommen: ECap e.V. bei der Stadtsparkasse Düsseldorf, Konto 1 004 357 040, BLZ 300 501 10, IBAN DE75 3005 0110 1004 3570 40 BIC DUSSDEDDXXX

Und wer selbst aktiv werden möchte oder den Verein mit einer Mitgliedschaft unterstützen will, findet hier weitere Informationen: Mitgliedschaft, Pate werden oder Adoption?

Aktiv werden im Tierschutz:

Der Bedarf an Unterstützung der Tierschutzorganisationen ist riesengroß. Ganz gleich ob hier in Deutschland oder irgendwoanders auf der Welt. Jeder kann irgendwo, irgendwie oder mit irgendetwas helfen. Ich möchte Dich als Leser dieses Blogbeitrags dazu motivieren, wenn Du nicht schon aktiv bist, auch etwas zum Tierschutz beizusteuern. Du sollst nicht denken, dass das Elend zu groß ist und Deine Hilfe viel zu klein um etwas zu bewirken. Denn schlussendlich helfen auch viele kleine Schritte um ans Ziel zu kommen.

Geld
Klar, Geld in Form von Spenden oder Mitgliedsbeiträgen ist eine wichtige Säule. Eine Mitgliedschaft kostet meist nur wenige Euro im Monat und hilft dem Verein besser zu planen. Aber Du kannst auch Familienfeste oder andere Feiern nutzen um Geld zu sammeln. Warum Geld für unnütze Dinge zum “Schrottwichteln” ausgeben, wenn man damit helfen kann?

Aber: Du kannst auch ganz ohne Geld helfen!

Kreatives
Du nähst gerne? Backst wunderbare Plätzchen? Bist kreativ? Oder handwerklich geschickt?
Dann spende doch einen Teil Deiner Werke einer regionalen Organisation zum Verkauf auf einem Weihnachtsbasar, dessen Erlöse in den Tierschutz fließen.

  • kleine Häkeltiere, Täschchen, Eierwärmer
  • selbstgemachte Vogelhäuschen
  • selbstgemachte Meisenglocken
  • gebasteltes Katzenspielzeug, wie z.B. Fummelbretter
  • Laternen aus Naturholz
  • köstliche Marmeladen und Gebäck
  • genähte Kuschelkissen und Katzenkörbchen

Am besten fragst Du den Verein Deiner Wahl, was gut geeignet ist um auf dem Basar verkauft zu werden.

Ausrümpeln
Du hast schon lange vor Deinen Trödel auf dem Flohmarkt zu verkaufen, bekommst aber nicht die Kurve?
Viele Tierheime und Vereine veranstalten regelmäßg einen Flohmarkt und würden sich sehr über Deine Sachen freuen, um sie für den guten Zweck zu verkaufen.

Zeit
Du hast Zeit? Echt jetzt?
Ja dann nichts wie los und krämpele die Ärmel hoch. Ich bin sicher ein Verein in Deiner Nähe braucht dringend Deine Hilfe. Beim Einfangen von verwilderten Hauskatze im Rahmen von Kastrationsaktionen, beim nächsten Sommerfest und, und, und.

Können und Kontakte
Du verfügst beruflich bedingt oder aus einem Hobby heraus über nützliche Fähigkeiten? Dann lerne freiwillige Helfer an und gib Dein Wissen weiter, oder übernehme selbst eine Aufgabe im Ehrenamt.

  • Aufbau und Pflege der Vereins-Homepage
  • Betrieb der Social Media-Kanäle
  • Um- und Ausbau der Vereinsräumlichkeiten/der Gehege
  • persönliches Netzwerk, seine Kontakte einsetzen

Und dann gibt es auch noch Helfen für Bequeme 😉 (sozusagen den Mieztipp-Pro unter den Aktivitäten)

Manch eine Mama, Oma oder Freundin backt mehr Plätzchen, als man essen kann. Manch ein Papa, Bruder oder Onkel hat schon die gesamte Verwandschaft und den Freundeskreis mit Vogelhäuschen ausgestattet. Manch eine Tante hat so viel Zeit und weiß nichts mit sich anzufangen. Manch ein Schwiegervater ist in Rente gegangen und versucht nun seine Zeit sinnvoll zu füllen… Wenn Du so jemanden kennst, dann schlage doch vor Dir bei Tierschutzprojekten zu helfen. Dieser Jemand muss ja nicht gleich Vereinsmitglied werden oder auf dem Flohmarkt helfen, aber vielleicht seid ihr ja das perfekte Gespann. Du lieferst Informationen und Ideen und der Jemand hat Zeit für die Umsetzung?

Ganz gleich wie Du hilfst – jede Hilfe zählt!
Miau <3