Die Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) umfasst viele bekannte Nutzpflanzen, wie zum Beispiel Tomaten, Kartoffeln oder Auberginen. Aber auch einige bekannte Zierpflanzen gehören zu dieser Familie. Viele Nachtschatten enthalten in der ganzen oder auch nur in Teilen der Pflanze giftige Inhaltsstoffe (vor allem Alkaloide) und gelten demnach als giftig.

Schwarzer Nachtschatten (Solanum nigrum) ist für Katzen giftig

Die Gattung der Nachtschatten (Solanum) enthält jedoch so viele Arten, so dass die Zuordnung (Systematik) einzelner Pflanzen zum Teil noch unsicher ist. Auch enthalten die Pflanzen nicht allesamt die gleichen Anteile an Giften, so dass die Toxizität einzelner, bekannter Pflanzenarten sehr unterschiedlich eingestuft wird. Die Tomatenpflanze gilt für Katzen beispielsweise als giftig. Die bekannte Balkonpflanze Petunie (Petunia Hybriden) hingegen gilt als unbedenklich, auch wenn sie nicht als Futterpflanze geeignet ist. Beide Pflanzen zählen zu den Nachtschattengewächsen.

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Die Komplexität der (Gift-)Pflanzenwelt

Einen spannenden Fall, der wieder einmal mehr die Komplexität der (Gift-)Pflanzenwelt verdeutlicht, möchte ich im Zusammenhang mit dem Schwarzen Nachtschatten (Solanum Nigrum) beschreiben.

Bei einem Besuch meiner Eltern, die gerade aus dem Urlaub zurückgekehrt waren, zeigte mir meine Mutter eine Pflanze im Balkonkasten, die sich zwischen zwei Lavendeln ausgebreitet hatte. Auf den ersten Blick sah sie wie eine Tomatenpflanze aus. Tatsächlich entpuppte sich diese Pflanze schnell als Schwarzer Nachtschatten (Solanum nigrum), also als eine Giftpflanze. Der Schwarze Nachtschatten hatte sich von ganz allein auf dem Balkon ausgesät und sogar bereits Früchte angesetzt.

Gefahr für Katzen durch Wildaussaaten auf dem Balkon

Ich habe bereits schön häufiger darauf aufmerksam gemacht, dass bei aller Liebe zur „natürlichen“ Bepflanzung von Balkonkästen auf wilde Aussaaten geachtet werden sollte. Denn nicht selten werden durch Wind, Vögel und andere Tiere Samen in den Balkonkästen oder Kübeln verbreitet. Da ich selbst kein Freund von symmetrischen und wie mit dem Lineal gezogenen Bepflanzungen bin, habe ich schon häufiger mir unbekannte Pflanzen entdeckt. Wären Dolly und Pauli nicht bei mir, so würde ich sicher aus Neugier abwarten, was sich daraus entwickelt. Als Katzenhalter bin ich jedoch recht gründlich und entferne regelmäßig, was ich nicht zu identifizieren weiß. Denn es kann sich durchaus auch einmal etwas Gefährliches selbst aussäen. Eine Katzenhalterin berichtete mir, dass ihre Katze an der Vergiftung durch eine Wildpflanze auf dem Balkon verstorben sei. Und das ist wirklich nicht abwegig.

Die ganze Pflanze des Schwarzen Nachtschattens (Solanum nigrum) ist für Katzen giftig

Der Schwarze Nachtschatten (Solanum nigrum) ist eine stark giftige Wildpflanze, auch für Katzen

Der Schwarze Nachtschatten auf dem Balkon meiner Eltern hat mich neugierig gemacht. Denn mehr, als dass diese Pflanze giftig ist, wusste ich bis dato nicht. Bei weiterer Recherche stellte sich heraus, dass es bei der Pflanze sehr widersprüchliche Informationen hinsichtlich ihrer Giftigkeit gibt. Einerseits dokumentiert im 1. Jahrhundert n. Chr. ein griechischer Militärarzt bereits die Essbarkeit der Beeren. Andererseits wurden auch nachweislich Vergiftungen bei Mensch und Tier beobachtet (Vergleiche Frohne und Pfänder / Giftpflanzen).

Die Beeren des Schwarzen Nachtschatten sehen aus wie kleine Tomaten
Besonders giftig am Schwarzen Nachtschatten sind die grünen Beeren und die Blätter

Sowohl giftig als auch ungiftig?

Der Grund für die sehr widersprüchlichen Aussagen ist eine biologische Eigenart (wer es nachlesen mag: Polyploidie, eine Besonderheit, welche die Chromosomensätze betrifft) und die Neigung zur Hybridisierung (Kreuzung mit anderen Gattungen und Unterarten der Pflanze). Dies hat zur Folge, dass es Schwarze Nachtschatten gibt, die sich von ihren „morphologischen“ Merkmalen her kaum bis gar nicht unterscheiden und vor allem für uns laden absolut identisch aussehen. Allerdings enthalten diese Pflanzen bei gründlicher Untersuchung sehr unterschiedliche Anteile an Giftstoffen (Alkaloide). Je nach Wachstumsbedingungen und Wachstumsstadium konnten bei der Untersuchung manchmal gar keine Giftstoffe gefunden werden. Allgemein kann man sagen, dass der Giftstoffgehalt von der unreifen Frucht, Blatt, Stengel bis hin zur reifen Frucht abnimmt. Die unreifen Früchte und die Blätter der Pflanze sind also am giftigsten. Außerdem schwankt der Giftgehalt, wie bei vielen anderen Pflanzen auch, je nach Standortbedingungen.

Tod einer jungen Elster

Die Pflanze auf dem Balkon meiner Eltern war noch jung, die Früchte weitestgehend grün, so dass davon auszugehen war, dass die Pflanze gerade als stark giftig einzustufen ist. Ein weiterer Hinweis dafür war der Tod einer jungen Elster, die ebenfalls auf dem Balkon gefunden wurde. Es könnte sein, dass sei an den grünen Beeren genascht hat und ihr diese zum Verhängnis wurden.

Was bedeutet das für uns Katzenhalter?

Es bleibt sicher eine Ausnahme, dass sich ausgerechnet der Schwarze Nachtschatten auf unserem Katzenbalkon aussät. Aber dieser Fall zeigt, dass es durchaus möglich ist. Außerdem gibt es noch diverse andere, stark giftige Wildkräuter, die sich aussäen können. Das ist wie immer kein Grund zur Panik. Aber ein Auge sollte man schon darauf haben, um unnötige Vergiftungsrisiken unserer Katzen zu vermeiden.